Mittwoch, 24. Oktober 2012

Старые люди и инвалиды

Haupteingang des Bahnhofs
Ich lebe nun seit über einem Jahr in Krasnojarsk und habe nicht ein einziges Mal einen Rollstuhlfahrer gesehen. Überhaupt sind Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit kaum zu erblicken - nur gelegentlich tauchen bettelnde Krüppel auf, die  ein Bein oder einen Arm verloren haben. Wo sind die Behinderten Russlands abgeblieben?
Treppen sind immer zu überwinden
In Gesprächen mit russischen Freunden und in eigenen Beobachtungen habe ich meinen Eindruck mehrfach bestätigt bekommen: die Gesellschaft nimmt bisher recht wenig Rücksicht auf Behinderte und alte Menschen. Das beginnt schon damit, dass die Rente für die Menschen, die ein Leben lang für ihr Land und ihre Nachfahren geschuftet haben, kaum zum Leben reicht, weshalb viele alte Mütterchen und Väterchen auf dem Rynok einen Rubel dazu verdienen müssen. Man hat mir auch erzählt, dass die Zustände in den meisten hiesigen Altersheimen dergestalt sind, dass man seine bettlägerige Oma oft eher zuhause versorgt, als sie dorthin zu geben.
Nicht der einzige und nicht der höchste Problembordstein
Dadurch entstehen zum Teil fast unmenschliche Belastungen, wenn nämlich eine junge Frau Tag und Nacht für ihre ans Bett gefesselte Großmutter sorgen muss. Nur wenn die junge Frau arbeiten geht, wird sie stundenweise durch eine teuer zu bezahlende Pflegerin vertreten. Ein eigenes Leben ist für diese junge Frau fast unmöglich, und auch die Oma leidet unter den logisch folgenden Spannungen, die ein solches Leben mit sich bringt, weil natürlich keiner damit zufrieden sein kann.
Auch für die, die sich bewegen können, ist der Alltag erheblich erschwert, wenn sich nämlich direkt an einem Fußgängerüberweg im Stadtzentrum Krasnojarsks eine Bordsteinkante etwa 40 Zentimeter in den Himmel erhebt, oder wenn es beim Einsteigen in den Bus einen Höhenunterschied von knapp 60 Zentimetern zu überwinden gilt. Man stelle sich einmal (wie schon mehrfach erlebt) ein 80-jähriges Mütterchen vor, das mit seinen schweren Einkäufen in den Bus einsteigen will. Im Bus gibt es dann die nächste Schwierigkeit, wenn sich niemand bequemt, der alten Dame einen Sitzplatz anzubieten. Der Busfahrer jagt, noch fast während des Einsteigevorgangs, mit Vollgas von der Bushaltestelle los - bis zu nächsten Ampel ... dort muss er ja eine Vollbremsung hinlegen, um keinen Auffahrunfall zu verursachen. Nicht alle Busfahrer sind so - natürlich, aber ich habe einmal einen alten Mann mit Krücken und nur einem Bein im vollbesetzten Bus lang hinschlagen sehen.
Ein hoffnungsvoller Anblick
Aber ich habe doch einige Hoffnung, denn hier in Krasnojarsk verändert sich einiges. An einem ganz neu gebauten Geschäft an der Haltestelle "Rodina" (bei mir um die Ecke) gibt es immerhin schon eine Behindertenauffahrt zum Eingang des Geschäftes.
Der Fahrstuhl am Bahnhof
Auch unser toller, moderner Bahnhof verfügt über einen Behindertenaufzug, der sich allerdings an einer entfernten Ecke befindet und den etwaigen Rollstuhlfahrer lediglich in die Schalterhalle bringt. Wie gehts dann weiter?
Der Einstieg am Zug
Ich konnte keinen Weg für einen Behinderten zu den Bahnsteigen finden. Überall gilt es, viele Treppen, zum Teil sehr steile und enge Treppen, zu überwinden, so dass selbst mit umfassender Hilfe das Fortkommen zu einer Tortur wird. Auch alte Menschen haben hier natürlich erhebliche Probleme, zumal viele mit der Transsib Reisende schweres Gepäck dabei haben. Und wenn sie dann auf dem Bahnsteig sind, dann ist ihr Leiden längst nicht beendet, denn sie müssen sich irgendwie in die etwa 120 Zentimeter hohen Züge über eine extrem steile und sehr schmale Treppe kämpfen. Ich habe auch schon einen jungen Schaffner dabei gesehen, wie er eine alte Frau mit sehr schweren Taschen genüsslich beobachtete, als diese sich abquälte. Ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, dass man der Frau wenigstens mit den Taschen hilft? Für mich war es dann mal Zeit zu handeln, aber lösen kann ich das Problem damit nicht.

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